Quereinstieg in einen sozialen Beruf

Die Beweggründe in ein neues berufliches Tätigkeitsfeld zu wechseln und als Quereinsteiger in einem sozialen Beruf zu arbeiten, sind vielfältig und nahezu endlos.

Wo siehst Du Dich wieder?

  • der Wunsch nach einem krisensicheren Job,
  • die Unzufriedenheit im aktuellen beruflichen Alltag, Perspektivlosigkeit,
  • der Wunsch nach neuen Erfahrungen
  • intensiverer Kontakt zu Menschen
  • oder die Chance, sich auf eine andere Weise selbst zu verwirklichen

Viele Beschäftigte sind unzufrieden in ihrem Job und verharren dennoch. Sie möchten oft kein Risiko eingehen, zukünftig etwas Anderes zu machen. Vielleicht war ihre bisherige berufliche Qualifikation mit viel Aufwand und Kosten verbunden. Gegebenenfalls kommen Zweifel auf, ob ein Quereinstieg in einen sozialen Beruf lohnend ist. Doch warum eigentlich zweifeln? Welche Gründe auch immer dich dazu bewegen, über einen Quereinstieg in einen sozialen Beruf nachzudenken, bleib an deiner Idee dran!

In diesem Blogpost erfährst Du:

  • Erfahrungsbericht: Christians Quereinstieg in die soziale Arbeit
  • Quereinstieg ohne Abitur
  • Quereinstieg mit
    • dualem Studium oder
    • berufsbegleitendem Studium
    • oder Fernstudium

Erfahrungsbericht: Quereinstieg in die Soziale Arbeit

Auf der Suche nach Quereinsteiger:innen im sozialen Bereich, die ihre Erfahrungen von ihrem Neustart und ihrem Weg, Sozialarbeiter:in zu werden, mit dir teilen möchten, traf ich Christian. Er selbst ist seit 5 Jahren im Feld der offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig und möchte dir Mut machen, den Schritt in den Quereinstieg in einen sozialen Beruf zu wagen.

„Ich weiß zwar nicht, was noch kommt, aber das war bisher die beste Entscheidung meines Lebens.“

Quereinstieg Soziale Arbeit- mein vorheriges Berufsleben

Als junger Erwachsener hat Christian nicht an eine Tätigkeit im sozialen Bereich gedacht. Dabei mochte er den Umgang mit Menschen irgendwie schon immer. Nach seinem Schulabschluss entschied er sich allerdings zunächst für eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich im Einzelhandel. Mit den Jahren verbrachte er seinen Berufsalltag immer mehr in Büros und übernahm verwalterische Tätigkeiten. Der Kontakt zu Kund:innen blieb oft aus.

Glückliche Zufälle, Impulse und Gegenwind beim Quereinstieg in einen sozialen Beruf

Durch einen glücklichen Zufall konnte er als Betreuer bei einem Sommercamp einer Jugendfreizeiteinrichtung mitwirken. Dieser Impuls war der Grund für eine Neuorientierung und dem Quereinstieg in die Soziale Arbeit. Denn, der Umgang mit den Kindern und Jugendlichen bereitete ihm viel Freude, die er so seit Jahren bei der Arbeit nicht mehr verspürt hatte. Bei seinen anfänglichen Überlegungen über einen Berufswechsel in den sozialen Bereich stieß er in seinem privaten Umfeld zunächst auf Ablehnung. Doch mit der Zeit erkannten seine Familie und seine Freund:innen, warum er sich für den Quereinstieg in die Soziale Arbeit interessiert und sich durchaus vorstellen kann, den Beruf zu wechseln.

„Überzeugungsarbeit war am Anfang schon wichtig, aber ich war selbst so überzeugt von meiner Entscheidung, dass die anderen fast schon keine Wahl mehr hatten, nicht überzeugt zu sein.“

Soziale Berufe für Quereinsteiger:innen - gute Einstiegsmöglichkeiten

Da pädagogische Fachkräfte im sozialen Bereich händeringend gesucht werden, gibt es inzwischen viele Möglichkeiten und Zugänge für einen erfolgreichen Quereinstieg in soziale Berufe. Die Rahmenbedingungen, in die Soziale Arbeit zu wechseln, werden tatsächlich immer besser. Viele Stellenanzeigen im sozialen Bereich richten sich heute sogar direkt an Menschen, die sich für einen Quereinstieg in einen Sozialen Beruf interessieren.

Wie der Quereinstieg in einen sozialen Beruf ohne Abitur gelingt

Ein Studium abzuschließen hielt Christian lange für unmöglich, da er kein Abitur hat. Der Quereinstieg Soziale Arbeit ist nämlich im Vergleich zu anderen Berufen nicht auf dem klassischen Weg der Umschulung zum:zur Sozialarbeiter:in möglich. Es ist ein akademischer Abschluss, wie der Bachelor of Arts, notwendig um die Qualifikation zu erlangen. Eine nicht-akademische Ausbildung für Soziale Arbeit existiert nicht.

Anders ist es hingegen mit der Ausbildung zum:zur Erzieher:in, oder Sozialassistent:in – wenn du dich für einen Quereinstieg in ein Feld der Sozialen Arbeit interessierst, könnte dies ein Weg sein, kein akademisches Studium absolvieren zu müssen. Nicht wenige Jobs in der Sozialen Arbeit werden nämlich auch mit Erzieher:innen besetzt, die mit notwendigen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen das Wissen und die Handlungskompetenz erlangen können, die sonst im Studium erlernt werden.

Wege zur Hochschulzugangsberechtigung – Berufsausbildung und Berufserfahrung zählen

Wenn du wie im Fall von Christian kein Abitur hast und dies auf dem zweiten Bildungsweg nicht nachholen kannst oder möchtest, gibt es andere Wege eine Hochschulzugangsberechtigung zu erwerben, denn auch hierbei werden fortlaufend viele Barrieren abgebaut und Zugänge geschaffen. (Quelle 1) Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und ausreichend Berufserfahrung ist es durchaus möglich, auch ohne ein Abitur zum Studium zugelassen zu werden. Informiere dich hierbei ausreichend über eventuelle Abweichungen zu den Voraussetzungen in den unterschiedlichen Bundesländern und den Hochschulen – die Studienberatungen unterstützen dich sehr gerne und stehen für Fragen aller Art bereit.

Quelle 1: weitere Informationen zum Studieren ohne Abitur findest du hier: http://www.studieren-ohne-abitur.de/web/

Quereinstieg Soziale Arbeit durch ein berufsbegleitendes Studium

Nach einem Praktikum in einer Freizeiteinrichtung von Kinder und Jugendlichen führte der Weg von Christian, über einen Quereinstieg Sozialarbeiter zu werden, über ein berufsbegleitendes Studium an einer Fachhochschule. Für ihn persönlich war das die beste Variante, möglichst flexibel zu sein, nebenbei seinen Lebensunterhalt zu sichern und seinen Verpflichtungen angemessen nachzugehen. Eine berufliche Tätigkeit im Sozialwesen ist bei dieser berufsbegleitenden Form nicht unbedingt notwendig, aber empfehlenswert. Dadurch kannst du die erworbenen theoretischen Kenntnisse in der Praxis reflektieren bzw. anwenden.

Das duale Studium

Es gibt mehrere Varianten der berufsbegleitenden Studien und Teilzeitformen für einen erfolgreichen Quereinstieg in einen sozialen Beruf. Bei einem dualen Studium kooperieren die Hochschulen und die jeweiligen sozialpädagogischen Einrichtungen, in denen du arbeiten kannst, um die Kombination aus Theorie und Praxis zu gewährleisten. Solltest du diesen Weg für den Quereinstieg in die Soziale Arbeit favorisieren, benötigst du neben der Hochschule auch einen sogenannten Praxispartner d.h. einen Arbeitgeber für die Zeit des Studiums. Informiere dich unbedingt auch, ob bzw. in welchen Bundesländern der Abschluss anerkannt ist.

Soziale Jobs für Quereinsteiger durch ein Fernstudium

Ein Fernstudium ist eine weitere Option, um als Quereinsteiger im sozialen Beruf Fuß zu fassen. Dieses kam für Christian persönlich nicht in Frage, da er den ständigen Austausch mit den Menschen vor Ort und den Praxisbezug vermisst hätte. Grundsätzlich stellt das Studium aus der Ferne aber eine sehr gute Möglichkeit für einen Quereinstieg in soziale Berufe dar, denn Zeit- und Ortsunabhängigkeit ist hier ein riesiger Vorteil. Wenn du dir vorstellen kannst, deine Qualifikation zum:zur Sozialarbeiter:in über ein Fernstudium zu erwerben, wirst du Inhalte, Aufgaben und Literatur gestellt bekommen, um deinen Lernprozess zu unterstützen und sie größtenteils selbstständig bearbeiten.

Manche Hoch- und Fachhochschulen bieten sogar einen speziellen BASA-online Studiengang für Menschen an, die neben der beruflichen Tätigkeit studieren möchten. (Quelle 2) Das sogenannte „blended learning“ ist eine Kombination aus verringerten Präsenzphasen und E-Learning-Zeiten und wird immer häufiger in den Lehrformen eingesetzt und verbessert.

Quelle 2: weitere Informationen zum BASA-online Studium findest du hier: https://www.basa-online.de/

Quereinsteiger Soziale Arbeit- so fühlt sich das Studium an

Nach über 10 Jahren beruflicher Tätigkeit im Einzelhandel war es ungewohnt für Christian, in einem Vorlesungssaal zu sitzen, aktiv zuhören zu müssen und zu lernen.

„Am Anfang fühlte es sich schon ein bisschen so an, als würde ich wieder die Schulbank drücken müssen.“

Erstaunt und ermutigt hat es ihn allerdings enorm, dass sehr viele Menschen unterschiedlichen Alters mit sehr verschiedenen Geschichten mit ihm gemeinsam studierten, um über den Quereinstieg einen sozialen Beruf ausüben zu können. Mit seiner Entscheidung, den Beruf zu wechseln, war er gar nicht so allein, wie er am Anfang vermutete.

Tipp:

Informiere dich bei den Hochschulen in deiner Nähe über die Möglichkeit, Gasthörer:in zu werden – ohne eingeschrieben zu sein, kannst du so an mehreren Lehrveranstaltungen, wie Vorlesungen und Seminaren teilnehmen und einen Eindruck über den Alltag in einem Studium bekommen. Zudem kannst du dich direkt mit Studierenden austauschen und Erfahrungsberichte bei deiner Entscheidung mit einbeziehen.

Wenn du ursprünglich aus einem anderen Berufsfeld kommst, aber bereits ohne die akademische Qualifikation im sozialen Bereich als Quereinsteiger:in arbeitest, kannst Du Dich nachqualifizieren. Ein nachgeschobenes Studium kann dir dazu verhelfen, bessere Aufstiegschancen zu erhalten, deine Fachkompetenz zu erweitern und zudem deine Aussichten auf ein höheres Gehalt verbessern. Besprich hierfür deine Gedanken und Wünsche mit deinen Vorgesetzten, Kolleg:innen und deinem Team – Arbeitgeber:innen profitieren häufig nachhaltig von der Qualifikation, die aus einem Studium der Arbeitnehmer:innen resultiert und übernehmen sogar im Bestfall die anfallenden Kosten.

Jobs im sozialen Bereich für Quereinsteiger:innen - Voraussetzungen und Tipps

„Praktische Erfahrung ist das A und O – nutze jede Erfahrung, die du kriegen kannst.“

Erlebnisse aus der Praxis waren die Grundlage für Christians Umdenken. Erfahrungen, die du in der Praxis in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Sozialen Arbeit sammeln kannst, erweitern nicht nur deinen Horizont. Sie helfen dir bei der Entscheidung und halten zudem die Motivation aufrecht, wenn es ans Studieren geht.

Für Christian haben Quereinsteiger:innen der Sozialen Arbeit, wie er, sogar einen großen Vorteil gegenüber Studierenden, die vorher wenig Berufserfahrung gesammelt haben, denn:

„Nach der Schule wissen viele nicht, was sie machen möchten und fangen an zu studieren, ohne ein konkretes Ziel. Als Quereinsteiger:in steht fest, wo es hingehen soll und was die Motivation hinter dem Wechsel ist. Die Lebens- und Berufserfahrung, die wir sammeln konnten, ist wertvoll und mit einem Berufswechsel nicht plötzlich wertlos, ganz im Gegenteil.“

Wichtige Voraussetzungen für einen gelingenden Quereinstieg in einen sozialen Beruf sind Offenheit, Neugier und die Bereitschaft Neues zu lernen. Es fällt leicht zu glauben, der Spaß an der Arbeit mit Menschen genügt, um eine professionelle Fachkraft der Sozialen Arbeit zu sein. Den Umgang mit Menschen zu schätzen und Freude daran zu haben, ist eine der grundlegenden Voraussetzungen. Doch es gehört mehr dazu, um den vielfältigen Herausforderungen in der Praxis gerecht zu werden. Theoretisches Fachwissen, verknüpft mit praktischen Erfahrungen, helfen dir auf deinem Weg über den Quereinstieg zum:zur Sozialarbeiter:in, wenn du dich für einen Berufswechsel entscheidest.

Bereit für einen (beruflichen) Neuanfang?

„Wie ich in meinem Studium feststellen konnte, gibt es Student:innen jeden Alters in der Sozialen Arbeit. Egal welchen Lebensentwurf du dir ursprünglich ausgemalt hast oder dachtest du hast deinen Traumberuf schon gefunden: Das Leben kann noch mehr für dich bereithalten.“

Es ist nicht abzustreiten, dass ein Quereinstieg in einen sozialen Beruf eine besondere Herausforderung darstellt. Diese zu meistern, kann sich allerdings sehr für dich lohnen. Die Soziale Arbeit bietet vielfältige Möglichkeiten, dich weiterzuentwickeln und Abwechslung in deinen beruflichen Alltag zu bringen. Als Fachkraft in einem der Tätigkeitsfelder der Sozialen Arbeit kannst du einzelne Menschen und Gruppen bei der Bewältigung von sozialen Problemen, Krisen, Konflikten und schwierigen Lebenslagen unterstützen, präventiv vorbeugen und sie auf ihrem Weg fördern. Was gibt es sinnvolleres?

Über die Autorin

Hi, ich bin Michelle! Als staatlich anerkannte Erzieherin und Studentin der Sozialen Arbeit an der ASH Berlin schlägt mein Herz neben digitalen Trends, Nachhaltigkeit und Musik vor allem für Soziales. Während meines Freiwilligendienstes hat sich sehr schnell der Wunsch entwickelt, Sozialarbeiterin zu werden und ich würde am liebsten in jeden Bereich reinschnuppern.

 

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